Klaus Dünser
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„ Ich muß es immer wieder sagen: Ich habe keine Lehre. Ich zeige nur etwas. Ich zeige Wirklichkeit, ich zeige etwas an der Wirklichkeit, was nicht oder zu wenig gesehen worden ist. Ich nehme ihn, der mir zuhört, an der Hand und führe ihn zum Fenster. Ich stoße das Fenster auf und zeige hinaus. Ich habe keine Lehre, aber ich führe ein Gespräch.“
(Martin Buber)
Wenn ich mich frage, was ich unter Beratung verstehe, dann erinnere ich mich immer wieder an das Zitat von Martin Buber. Es geht um das Gespräch, in dem Fragestellungen und Probleme anders gesehen werden können, in dem sich Perspektiven und Lösungswege zeigen. |
Ich will der Lotse sein, mit dem die Wege besprochen werden können, die sich vielleicht morgen, wenn sich der Nebel verzogen hat, zeigen werden. Es soll aber auch ein Ausruhen möglich sein, um sich auf anstehende Entscheidungen vorzubereiten.
Nach einem oder mehreren Gesprächen soll spürbar sein, was getan werden kann, nicht was getan werden muss.
Meine Haltung zur Beratung hat ihre Wurzeln in meiner persönlichen und beruflichen Geschichte, die ich hier kurz erzählen möchte.
1950 wurde ich in Götzis (Vorarlberg) geboren. Nach dem Abbruch des Gymnasiums absolvierte ich eine Lehre als Gärtner. Dieser Beruf ermöglichte mir, 3 Jahre als sogenannter Entwicklungshelfer in Papua Neuguinea zu arbeiten. Es war herrlich, in eine völlig andere Kultur einzutauchen. Ich lernte, dass jeder Mensch, unabhängig von sozialem Status und kulturellem Hintergrund, auf seine Art weise ist und gemeinschaftsorientiert entscheiden kann.
Nach meiner Rückkehr war eine Neuorientierung notwendig. Die 1975 gegründete Akademie für Sozialarbeit in Bregenz kam meinen Interessen sehr entgegen. 1979 erhielt ich dort mein Diplom als Sozialarbeiter.
Es folgten berufliche Stationen wie Jugendberatung (6 Jahre), Mitarbeit in einem Kinderdorf in Kenia (2 Jahre), Bewährungshilfe (4 Jahre), Suchtkrankenhilfe (4 Jahre) und die Ausbildung zum Mediator. Seit 1992 leite ich die Beratungsstelle des Instituts für Sozialdienste in Feldkirch.
In den vergangenen Jahren hat sich aus den zahlreichen Scheidungsberatungen der Schwerpunkt der Familienberatung bei Trennung / Scheidung entwickelt.
Es ist der Versuch „etwas an der Wirklichkeit zu sehen was nicht, oder zu wenig gesehen worden ist.“
Zu den Wirklichkeiten einer Scheidung zähle ich,
- dass der Paarkonflikt, auch von den Fachleuten, zu sehr in den Vordergrund gerückt wird. Die Lösung wird in rechtlichen Konstruktionen gesucht. Die Verantwortung für das Gelingen der Scheidung wird an Anwälte oder Mediatoren delegiert.
- dass Scheidung die Familienbande nicht auflöst, sondern es wird die Familie neu organisiert. Von dieser Reorganisation sind die Kinder ganz unmittelbar betroffen, die Veränderungen wirken aber auch in Verwandtschaften und Freundeskreise.
Aus dieser Perspektive werden andere Beratungsinhalte erkennbar.
Zum Beispiel:
Die Kompetenz und die Verantwortung für das Gelingen der Scheidung sind bei den Partnern. Wer eine Heirat vereinbaren kann, kann auch eine Scheidung aushandeln.
Es gibt familiäre Bindungen, die weder durch eine Scheidung noch durch einen (Rechts-) Streit aufgelöst werden können.
Gemeinsame Kinder sind die stärkste Bindung zwischen den Partnern.
Wenn Scheidungspartner diese Wirklichkeit anerkennen, können sie die Kinder aus dem Konflikt heraushalten, sie werden sich versprechen, weiterhin gemeinsam für die Kinder Sorge zu tragen und sich in der Erziehung gegenseitig zu unterstützen, sie werden damit rechnen, dass ihre Kinder unerwartete Reaktionen zeigen und sie werden darüber reden, wie sie neue Partner behutsam in das Leben der Kinder integrieren können.
Die Reorganisation einer Familie braucht eine Zukunftsperspektive und Planung, daher ist die Trennungsphase auch eine Planungsphase.
Deshalb ist es sinnvoll, einen Sorgeplan zu entwickeln, in dem das Älterwerden der Kinder und die Veränderung ihrer Bedürfnisse Berücksichtigung finden.
Dann werden aus den unauflöslichen Bindungen Brücken, über welche die Kinder zwischen den Eltern hin und her wandern können.
Dann kann aus einer Scheidung eine gute Scheidung werden, die ebenso lange hält, wie eine gute Ehe.
Wenn sie sich durch diese Sichtweise angesprochen fühlen, freu ich mich, sie willkommen zu heissen.
Terminvereinbarung
per Email: duenserklaus@gmx.at
Telefon : 0043650 20 54 020
Trennung / Scheidung
- Reorganisation der Familie
Wie können geschiedene Partner die familiären Bindungen leben, die nach jeder Scheidung weiter bestehen? Entliebung und innere Ablöse brauchen mehr Zeit als der rechtliche Ablauf der Scheidung.
Für die Kinder bedeutet Scheidung vielleicht manchmal eine Entspannung im konfliktgeladenen Alltag, aber dann müssen sie sich von einem Elternteil lösen. Es gibt zahlreiche Hinweise, die vermuten lassen, dass Erwachsene die Not und die Trauer der Kinder stark unterschätzen. Es darf also nicht wundern, wenn Kinder unerwartete Verhaltensweisen zeigen. Es ist eine Herausforderung für geschiedene Eltern, die überraschenden Reaktionen der Kinder wohlwollend zu interpretieren und nicht den anderen Elternteil zu verdächtigen.
Wenn Konflikte gelöst werden könnten, gäbe es vermutlich sehr wenige Scheidungen.
Genauer betrachtet stellt sich heraus, dass meistens um Schuldverteilung und um die Opferrolle gestritten wird. So bleiben Paare ihrer Vergangenheit verhaftet, obwohl sie durch ihre Scheidung eine bessere Zukunft anstreben; zwei Menschen, die im Auto fahren und ihren Weg nur noch im Rückspiegel betrachten.
Konflikte können nicht gelöst, sondern nur überwunden werden. Wenn die Partner bereit sind, nach vorne zu schauen, werden sie ihre Verantwortung für die Zukunft entdecken.
Konflikte nähren sich durch Botschaften, die vom Hörer reflexartig als Verletzung oder als Vorwurf interpretiert und abgeblockt werden.
Eine andere Sprache, auch wenn sie Übung erfordert, kann den Konflikt reduzieren.
Beziehungen sind auch ein Sprachspiel.
übersetzt „Flickwerk“ ist ein sehr abwertender Begriff und hat sich trotzdem durchgesetzt.
Richtiger ist sicher von der Folgefamilie zu sprechen, wenn Menschen eine Bindung mit einem Partner wagen, der Kinder in die neue Familie mitbringt.
Wie kann soziale Elternschaft aufgebaut werden, ohne bei den Kindern in einen Loyalitätskonflikt auszulösen? Soziale Elternschaft bedingt neue Erziehungskonzepte.
Soziale Eltern und biologische Eltern sind über die Kinder in einer wirkungsvollen Beziehung.
Die Reaktion der Kinder ist nicht vorhersehbar.
Es lohnt sich, frühzeitig die eigenen Träume, Erwartungen und Hoffnungen zu reflektieren.
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